
Frankreich und Deutschland haben ihr Prestigeprojekt für einen gemeinsamen europäischen Kampfjet, den Système de combat aérien du futur (SCAF), offiziell gestoppt. Nach Angaben der Bundesregierung kamen Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzler Friedrich Merz zu der gemeinsamen Einschätzung, dass sich die beteiligten Unternehmen Airbus und Dassault Aviation nicht auf eine gemeinsame Linie für die Entwicklung eines Kampfflugzeugs einigen können. Beide Staats- und Regierungschefs "erkennen diese Realität an", hieß es aus Berlin. Merz habe Macron daher vorgeschlagen, die Arbeiten an einem gemeinsamen Flugzeug nicht weiterzuverfolgen.
Der Beschluss markiert das vorläufige Ende eines Projekts, das 2017 von Macron und der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel gestartet und 2019 von Spanien ergänzt worden war. Geplant war nicht nur ein neues Kampfflugzeug, sondern ein vernetztes System aus Jet und Drohnen, verbunden durch eine digitale Kommunikationsinfrastruktur – einen sogenannten "Combat Cloud". In den vergangenen Monaten war das Programm allerdings ins Stocken geraten, belastet durch Spannungen zwischen Paris und Berlin sowie durch Rivalitäten der federführenden Konzerne Airbus und Dassault. Bereits im Februar hatte Merz öffentlich Zweifel am Fortbestand des Vorhabens geäußert.
Auch der Élysée-Palast bestätigte, dass Macron und sein deutscher Amtskollege das Projekt aus demselben Grund aufgeben: Die Industrie sei nicht in der Lage gewesen, sich auf die Fortführung zu einigen. Damit zerbricht ein zentrales Symbol für eine vertiefte europäische Verteidigungskooperation in der Luftfahrt. Beobachter werten das Aus als Rückschlag für die Ambitionen Europas, seine Luftkampffähigkeiten gemeinsam weiterzuentwickeln und industrielle Schlüsseltechnologien im Verbund zu halten. Airbus und Dassault standen für eine Stellungnahme zunächst nicht zur Verfügung.
Die Entscheidung fällt nur zwei Tage vor der Eröffnung der Luftfahrtmesse ILA in Berlin, zu der auch Merz erwartet wird und bei der die großen Rüstungskonzerne des Sektors zusammenkommen. Die deutsche Regierung kündigte an, die Verteidigungsministerien in Paris und Berlin müssten nun einen gemeinsamen, "zeitgemäßen" Arbeitsplan für die industrielle Verteidigungskooperation ausarbeiten. Künftig solle man sich auf "einige realistische und relevante Projekte" konzentrieren, über die beim nächsten deutsch-französischen Ministerrat in Deutschland im Juni beraten werden soll. In Verteidigungskreisen heißt es, je schneller die Entscheidung zum SCAF-Ende umgesetzt werde, desto weniger Zeit gehe bei der Vorbereitung der nächsten Kooperationsphase verloren.

Der Wiener Aktienmarkt hat zur Wochenmitte erneut fester tendiert. Der Leitindex ATX gewann im Verlauf 0,95 Prozent auf 6.061,55 Punkte, der breiter gefasste ATX Prime rückte um 0,84 Prozent auf 2.992,29 Zähler vor. Auch an den wichtigsten europäischen Börsen überwogen Aufschläge. Von der US-Seite kamen indes kaum Impulse: Die jüngst veröffentlichte Handelsbilanz entsprach weitgehend den Erwartungen, das Defizit verringerte sich im April leicht, nachdem die Exporte ein Rekordniveau erreicht hatten.
Stützend wirkten an den Märkten Signale einer Entspannung im Nahen Osten. US-Präsident Donald Trump stellte den Abschluss einer Vereinbarung zur Beendigung des Iran-Kriegs in den nächsten Tagen in Aussicht. Man befinde sich in den „letzten Zügen“ eines nach seinen Worten sehr guten Abkommens. Der israelische Regierungschef Benjamin Netanyahu erklärte zudem, die Angriffe auf den Iran seien eingestellt worden. Marktteilnehmer bleiben dennoch vorsichtig, da beide Seiten für den Fall von Vertragsverstößen mit härteren Kämpfen drohten.
Im ATX Prime setzten sich einmal mehr AT&S an die Spitze. Die Aktien des Leiterplatten- und Halbleiterspezialisten stiegen im Tagesverlauf um 4,8 Prozent, nachdem sie bereits am Vortag mit einem Plus von 4,2 Prozent zu den stärksten Werten gezählt hatten. Seit Jahresbeginn summiert sich das Kursplus auf 353 Prozent. Auf der Verliererseite notierten in einer anderen Handelssession Frequentis mit einem Minus von 4,0 Prozent sowie Kapsch TrafficCom, die am Nachmittag ebenfalls 4,0 Prozent einbüßten. Die ex-Dividende gehandelten Papiere des Flughafen Wien standen zusätzlich unter Druck.
Deutlich freundlicher präsentierten sich die Finanzwerte. Die Erste Group avancierte mit Kursgewinnen von rund 1,9 Prozent auf etwa 102,80 bis 102,90 Euro zu einem der stärksten Titel im Leitindex. Rückenwind kam von einer Studie der Deutschen Bank: Die Analysten bestätigten ihre Kaufempfehlung „Buy“ und beließen das Kursziel bei 121 Euro. Die Aktie sei weiterhin attraktiv bewertet, hieß es. Auch die übrigen Schwergewichte aus dem Bankensektor zeigten sich überwiegend fester: BAWAG legte je nach Betrachtungszeitpunkt um 1,3 bis 1,7 Prozent zu, während Raiffeisen Bank International zwischenzeitlich 0,4 Prozent zulegte, in einer anderen Session jedoch 0,8 Prozent abgab.
Versicherungswerte verbuchten ebenfalls solide Zuwächse. Vienna Insurance kletterte im Tagesverlauf um bis zu 3,0 Prozent, in einer anderen Sitzung um 1,7 Prozent. Uniqa gewann zwischen 1,4 und 1,5 Prozent. Belastet wurde der Markt hingegen von Kursverlusten beim Öl- und Gaskonzern OMV, dessen Anteilscheine im Sog sinkender Ölpreise zwischen 0,7 und 1,2 Prozent nachgaben. Am Vienna Global Market konnten die Titel des Kupferunternehmens Asta Energy Solution zulegen; sie gewannen 2,36 Prozent auf 69,40 Euro.