Wohnstadträtin Hanel-Torsch stellt leistbares Wohnen in Wien in den Mittelpunkt

09.04.2026


Die neue Wiener Wohn- und Frauenstadträtin Elke Hanel-Torsch (SPÖ) stellt leistbares Wohnen trotz hoher Inflation und knapper Budgets an die Spitze ihrer Agenda. In einem Interview mit der APA kündigte sie an, die bestehenden, bereits strengen Regeln für Kurzzeitvermietungen in der Bundeshauptstadt zu evaluieren und bei Bedarf weiter zu verschärfen. Ziel sei es, den Druck auf den Wohnungsmarkt zu dämpfen und dauerhaft verfügbaren Wohnraum zu sichern.

Hanel-Torsch, die seit Ende März im Amt ist und auf die überraschend aus der Politik ausgeschiedene Kathrin Gaal folgt, betonte, dass die Rahmenbedingungen derzeit besonders anspruchsvoll seien. Dennoch wolle sie die Förderung des gemeinnützigen Wohnbaus forcieren und zusätzliche Gemeindebauten errichten lassen. Der Neubau von leistbarem Wohnraum sei eine zentrale Säule der städtischen Wohnpolitik, um steigenden Mieten entgegenzuwirken.

Als zweite zentrale Maßnahme nannte die Stadträtin eine Reform des Mietrechts auf Bundesebene. Das bestehende Mietrechtsgesetz schütze derzeit vor allem Mieterinnen und Mieter in klassischen Altbauten sowie im geförderten Neubau, nicht aber im frei finanzierten Neubau. Diese Lücke wolle sie geschlossen sehen. Würden dort klare Grenzen eingezogen, hätte das aus ihrer Sicht eine preisdämpfende Wirkung. Es brauche ein Mietrecht, „das wirklich alle Mieterinnen und Mieter schützt“, so Hanel-Torsch.

Wenig abgewinnen kann die Ressortchefin hingegen einer eigenen Leerstandsabgabe. Während manche Städte und Bundesländer mit Abgaben auf ungenutzten Wohnraum experimentieren oder entsprechende Modelle diskutieren, setzt Wien nach ihren Aussagen vorrangig auf Neubau, gemeinnützigen Wohnbau und Regulierung der Kurzzeitvermietung. Eingriffe kann die Stadt unmittelbar vor allem im Gemeindebau vornehmen; bei weitergehenden rechtlichen Änderungen sieht Hanel-Torsch insbesondere den Bund gefordert.

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Auslieferstopp von SalzburgMilch verschärft Finanzlage von QimiQ

09.04.2026


Die auf Sahnebasis-Produkte spezialisierte QimiQ Handels GmbH mit Sitz in Hof bei Salzburg ist insolvent und versucht sich in einem gerichtlichen Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung zu stabilisieren. Das Landesgericht Salzburg eröffnete am Dienstag das Verfahren über das Vermögen des Unternehmens, das seine Verbindlichkeiten vorläufig mit rund 8,66 Millionen Euro angibt. Laut den Gläubigerschutzverbänden KSV1870, Alpenländischer Kreditorenverband (AKV) und Creditreform sind insgesamt 159 Gläubiger betroffen. Die Passiva stehen einem Gesamtbuchwert des Anlagevermögens von etwa 1,38 Millionen Euro gegenüber, der geschätzte Liquidationswert liegt mit 130.500 Euro jedoch deutlich darunter.

QimiQ vertreibt seit rund 25 Jahren natürliche, fettarme Sahnebasis-Produkte zum Kochen und Backen sowie eine vegane Alternative. Die Produkte sind sowohl im Lebensmittelhandel gelistet als auch in der Lebensmittelindustrie im Einsatz, wo sie an Produktionsbetriebe geliefert werden. Vom Ausfall betroffen sind neben dem Geschäftsführer nur zwei weitere Dienstnehmer, was die Struktur des Unternehmens als schlank und stark produktorientiert erscheinen lässt. Nach Angaben der Gesellschaft reicht das Leistungsangebot von der Rezepturentwicklung bis hin zu kompletten Foodkonzepten für gewerbliche Kunden.

Als Hauptursache für die Insolvenz nennt die Schuldnerin kräftige Milchpreissteigerungen im Zeitraum Juli bis Dezember 2025. Diese hätten die Produktionskosten um rund 15 Prozent erhöht, konnten aber nur zeitverzögert an den Handel weitergegeben werden, was die Margen belastete. Zusätzlich erschwerten nicht realisierte Warenfinanzierungen und Rahmenkredite die Lage, während verspätete Zahlungseingänge internationaler Großkunden zu Engpässen im Cashflow führten. Anfang 2026 verhängte zudem die SalzburgMilch GmbH einen Auslieferstopp, wodurch Waren nicht verfügbar waren und Umsätze ausblieben; intensive Verhandlungen, auch über eine mögliche Beteiligung, scheiterten laut QimiQ im März 2026 endgültig.

Der kumulierte Effekt aus höheren Kosten, ausgefallenen Finanzierungen und blockierten Lieferbeziehungen führte nach Unternehmensangaben zu einem dauerhaften Liquiditätsmangel, der schließlich in Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung mündete. Trotz der angespannten Kennzahlen strebt QimiQ die Fortführung des Betriebs im Rahmen des Sanierungsverfahrens an. Das Unternehmen verweist darauf, dass der Milchpreis inzwischen wieder gesunken sei, was die Kostenseite perspektivisch entlaste. Ob der Traditionsanbieter von Sahnebasis-Produkten und veganen Alternativen damit eine tragfähige Sanierungslösung erzielen kann, wird wesentlich von der Zustimmung der Gläubiger und der weiteren Marktentwicklung abhängen.