
Auf Flächen in der Größe eines Einfamilienhaus-Grundstücks testen Forscherinnen und Forscher, wie sich sogenannte Miniwälder auf das Stadtklima auswirken. In Wien und anderen österreichischen Städten sollen die dicht bepflanzten Areale dazu beitragen, Siedlungsgebiete widerstandsfähiger gegen die Folgen der Klimakrise zu machen. Die Bodenkundlerin Cecilie Foldal vom Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) sieht in den Kleinstwäldern potenzielle Inseln der Artenvielfalt, die zugleich Lufttemperaturen senken sowie Wasser und Kohlenstoff speichern können. Präsentiert wurden die Arbeiten am Rande des 26. Österreichischen Klimatages, der von 8. bis 10. April in Wien stattfindet.
Die Versuchsanlagen entstehen auf 500 bis 1.000 Quadratmeter großen Flächen, die zuvor meist als karger Rasen genutzt wurden. Statt Einzelbäumen setzen die Teams auf eine hohe Pflanzdichte mit verschiedenen Baum- und Straucharten. Eingesetzt werden unter anderem Silberlinden, Purpurweiden, Ahornbäume und Hopfenbuchen. Hinzu kommen Eschen-Varianten, bei denen die Forschenden davon ausgehen, dass sie resistenter gegen den derzeit verbreiteten Pilzbefall sind. Ergänzt wird die Struktur durch Sträucher wie Weißdorn, Mehlbeere, Kornelkirsche und Quitte sowie diverse Rosenarten als Unterwuchs.
Die Pflanzen werden in Form kostengünstiger Jungware gesetzt, was laut Foldal nicht nur Materialkosten, sondern auch den Pflegeaufwand begrenzt. Nach einer mehrjährigen Phase der Aufzucht sollen die Miniwälder weitgehend ohne regelmäßige Eingriffe der Kommunen auskommen. Das mache das Konzept für Städte und Gemeinden finanziell interessant. Gleichzeitig setzt der Ansatz voraus, dass Anrainerinnen und Anrainer eine weniger „aufgeräumte“ Optik akzeptieren: Ein artenreicher Miniwald erinnere nach einigen Jahren eher an eine „Gstettn“, also ein scheinbar ungepflegtes, stark durchgrüntes Areal.
In Wien, Schwechat und Wiener Neustadt begleitet ein Forschungsteam die Entwicklung der neu angelegten Flächen engmaschig. Beobachtet werden Veränderungen bei der Artenvielfalt von Pflanzen, Vögeln, Nagern, Insekten und Mikroorganismen, aber auch die Menge des in Boden und Biomasse gespeicherten Kohlenstoffs. Zudem steht das Mikroklima im Fokus: Die Messungen sollen zeigen, in welchem Ausmaß die kompakten Wälder lokale Temperaturspitzen abmildern und Wasser im System halten können. Die Ergebnisse könnten darüber entscheiden, ob Miniwälder künftig flächiger in österreichischen Städten eingesetzt werden.

Eine Podiumsdiskussion der Wiener FPÖ zum Titel „Der Preis des Klimakommunismus – Wer zahlt die Zeche?“ sorgt in der Stadtpolitik für erheblichen Wirbel. Die Freiheitliche Akademie Wien, das Freiheitliche Bildungsinstitut und der FPÖ-Rathausklub laden am 6. Oktober in die Volkshalle des Wiener Rathauses und holen dafür James Taylor, Präsident des US-amerikanischen Heartland Institute, nach Wien. Taylor gilt seit Jahren als prominenter Akteur der internationalen Szene, die den menschengemachten Klimawandel in Zweifel zieht, und steht seit Langem in der Kritik, weil seine Organisation nachweislich Geld aus der fossilen Industrie erhalten hat.
Auf dem Podium sollen neben Taylor der Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp, Gerald Zmuegg von der Freiheitlichen Wirtschaft Wien sowie der Unternehmer und Politblogger Gerald Markel diskutieren. Eröffnet wird der Abend vom Wiener FPÖ-Klubobmann Maximilian Krauss. Inhaltlich bedient die FPÖ damit ein Narrativ, das sie seit geraumer Zeit in der Klimadebatte verwendet: Klimaschutzmaßnahmen werden als „Klimakommunismus“ adressiert und damit als ideologisch motivierte, wirtschaftlich schädliche Eingriffe gerahmt. Im Zentrum der Veranstaltung steht laut Ankündigung nicht die Abrechnung mit den Kosten der aktuellen Klimaauswirkungen, sondern mit jenen einer ambitionierten Klimapolitik.
Die Einladung Taylors fällt in ein Jahr, das in Europa und Österreich von außergewöhnlichen Wetterextremen geprägt ist. 2026 brachte neue Temperaturrekorde, eine hohe Zahl an Hitzetagen und Tropennächten und eine sich seit dem Frühjahr verschärfende Trockenheit. In der Landwirtschaft werden die Hitzeschäden europaweit auf 14 bis 17 Milliarden Euro geschätzt, für Österreich beziffert die Hagelversicherung den Dürreschaden auf rund 1 Milliarde Euro. Die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) meldet zudem eine Rekordzahl an Hitzetoten: Im Juni und Juli starben demnach 646 Menschen in Österreich an den Folgen der Hitze. Vor diesem Hintergrund kritisieren Gegner der Veranstaltung, die FPÖ ignoriere die realen Kosten und Risiken der Erderwärmung, während sie über vermeintliche Kosten von Klimapolitik diskutieren lässt.
Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) distanzierte sich in einer Stellungnahme deutlich von der inhaltlichen Ausrichtung des Abends. Die Stadt bekenne sich zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen über den menschengemachten Klimawandel und zu einer verantwortungsvollen Klimapolitik, betonte er. Positionen, die Klimaschutz pauschal als „Klimakommunismus“ diffamieren, lehne er ausdrücklich ab. Zugleich verwies Ludwig auf die Rolle des Rathauses als „Haus der Demokratie“: Den im Gemeinderat vertretenen Fraktionen stünden grundsätzlich Räumlichkeiten für Veranstaltungen zur Verfügung. Kritik kam auch von den Wiener Grünen, deren Vorsitzender Peter Kraus die Einladung Taylors als „Verhöhnung“ der Bevölkerung bezeichnete, die mit den Folgen von Hitze und Dürre konfrontiert sei, und den Bürgermeister aufforderte, zu prüfen, ob für eine derartige Veranstaltung tatsächlich Räume im Rathaus zur Verfügung gestellt werden sollten.