Wien ringt um Doppelbudget: Besseres Defizit 2025, aber zusätzliche Konsolidierung nötig

09.04.2026


In Wien beginnt diese Woche der entscheidende Sparpoker um das nächste Doppelbudget. Nach Ostern empfangen Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ), Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP) und Staatssekretär Josef Schellhorn (NEOS) nacheinander die Ressortchefs, um erste Vorstellungen über Ausgabenwünsche und Prioritäten abzugleichen. Für die Detailarbeit bleiben danach rund vier Wochen, in denen die Anfragen der Ministerien mit den budgetären Notwendigkeiten in Einklang gebracht werden müssen.

Die Regierung setzt erneut auf ein Doppelbudget, um frühzeitig mittelfristige Leitplanken zu setzen. Ungewöhnlich ist dabei der Zeitpunkt: Der Haushalt soll bereits vor dem Sommer stehen – und das in einer Phase, in der die internationale Energiekrise das Wirtschaftswachstum spürbar dämpfen könnte. Grundlage der Verhandlungen werden die Frühjahrsprognosen von Wifo und IHS sein, die für Freitag angekündigt sind und den finanziellen Spielraum der Koalition definieren.

Fiskalisch startet die Regierung mit einer etwas besseren Ausgangsbasis als ursprünglich geplant. Das Jahr 2025 ist besser verlaufen als programmiert: Statt eines Defizits von 4,5 Prozent des BIP wies der Staat Ende März 4,2 Prozent aus. Dennoch konnte Finanzminister Marterbauer die Prognose für 2026 angesichts der konjunkturellen Unsicherheit nicht nach unten revidieren; für heuer wird daher mit einem ähnlichen Defizit wie im Vorjahr gerechnet. Ab 2028 soll das Defizit dann auf 3,0 Prozent sinken und damit exakt im von der EU erlaubten Rahmen liegen, was den Ausstieg aus dem Defizitverfahren erleichtern soll.

Damit dieser Pfad hält, reichen die bisher beschlossenen Maßnahmen nach Einschätzung des Finanzministers nicht aus. Marterbauer sieht einen zusätzlichen Konsolidierungsbedarf von zwei Milliarden Euro, obwohl die Regierung bereits plant, Förderungen bis 2029 um ebenfalls zwei Milliarden zu kürzen. Parallel dazu melden die Koalitionspartner weitere Wünsche an – etwa eine von ÖVP und NEOS forcierte Senkung der Lohnnebenkosten –, was die kommenden Wochen zu einem intensiven Ringen um Einsparungen und Prioritäten im Bundeshaushalt machen dürfte.

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Ölpreisrutsch treibt Reise- und Industrieaktien an der Wiener Börse

09.04.2026


Eine zweiwöchige Waffenruhe im Iran-Krieg und die Aussicht auf eine Wiederöffnung der Straße von Hormus haben am Mittwoch eine breit angelegte Rally an der Wiener Börse ausgelöst. Der Leitindex ATX sprang um 4,07 Prozent auf 5.665,08 Punkte und gehörte damit zu den stärksten Gewinnern in Europa. Marktteilnehmer verwiesen auf den abrupten Rückgang der Ölpreise, nachdem der Iran Signale gesendet hatte, die für den Welthandel zentrale Meerenge wieder für den Schiffsverkehr zu öffnen – eine zentrale Bedingung der USA für die vereinbarte Feuerpause.

Der Kursanstieg in Wien fügte sich in ein europaweit freundliches Bild. An den großen Leitbörsen legten die Indizes deutlich zu, während Ölwerte unter Druck gerieten. Für die Aktienmärkte gilt die Straße von Hormus als neuralgischer Punkt: Über die Meerenge laufen nicht nur große Volumina von Öl und Gas, sondern auch andere Güterströme. Die Aussicht auf eine Entspannung der Versorgungslage dämpfte Risikoaufschläge an den Energiemärkten und stärkte die Risikobereitschaft der Anleger.

In diesem Umfeld griffen Investoren vor allem bei konjunktursensiblen Werten zu. Spitzenreiter im Prime-Market-Segment war die Aktie des Cateringkonzerns Do&Co, die um 14,6 Prozent zulegte. Die Papiere des Luftfahrtzulieferers FACC kletterten um fast elf Prozent. Europaweit zählten Titel aus der Reise- und Unterhaltungsbranche im Sektorvergleich zu den größten Gewinnern – ein indirekter Profiteur der sinkenden Treibstoffkosten und der abnehmenden Sorgen vor weiteren Störungen im internationalen Luft- und Seeverkehr.

Auch Industrietitel nutzten das günstige Sentiment. Die Aktien von voestalpine sprangen in einem starken Gesamtmarkt um 10,8 Prozent nach oben. Der Stahl- und Technologiekonzern hatte Aufträge aus der Luftfahrt mit einem Gesamtvolumen von rund einer Milliarde Euro über fünf Jahre gemeldet, das nach Unternehmensangaben größte Auftragsvolumen für die zuständige Division. Produziert werden die Teile an Standorten in Kapfenberg und Mürzzuschlag in der Steiermark sowie in Brasilien. Mindestens achtprozentige Zuwächse verzeichneten zudem AT&S, Palfinger, RHI und Wienerberger, während der Anlagenbauer Andritz um 5,5 Prozent zulegte.

Kehrseite der Medaille waren die Energie- und Versorgerwerte. Belastet vom Ölpreisrutsch gab die Aktie des Öl- und Gaskonzerns OMV um 4,4 Prozent nach. Auch EVN und Verbund schlossen im Minus, mit Abschlägen von 0,7 beziehungsweise 3,1 Prozent. Trotz der schwächeren Performance im Energie- und Versorgersektor überwog am Wiener Markt klar der Optimismus – gestützt von der Aussicht auf vorübergehende Entspannung im Konflikt am Golf und kräftigen Impulsen aus der Industrie- und Reisebranche.