Die Falkensteiner-Hotelgruppe hat ein neues Abrechnungsmodell eingeführt, bei dem eine Trinkgeldpauschale von zehn Euro pro Zimmer und Nacht standardmäßig auf der Hotelrechnung vermerkt wird. Die Hotelkette betont, dass dieses Modell auf Anregungen von Urlaubern basiert und die Freiwilligkeit gewahrt bleibt. Gäste werden bereits im Pre-Arrival-Letter sowie beim Check-in und der Abreise informiert und können den Betrag jederzeit reduzieren, erhöhen oder komplett stornieren.

Walter Veit, Präsident der Österreichischen Hotelvereinigung (ÖHV), begrüßt den Vorstoß und hebt die wirtschaftlichen Vorteile hervor. Selbst wenn 30 Prozent der Gäste den Vorschlag ablehnen, würden im Durchschnitt sieben Euro pro Zimmer und Nacht für das Personal generiert. Veit argumentiert, dass dies eine effizientere Lösung sei als höhere Zimmerpreise, da bei einer Preiserhöhung der Staat einen erheblichen Teil der Summe beanspruchen würde.

Ein spezielles Trinkgeldkomitee ist innerhalb der Gruppe dafür zuständig, die gesammelten Gelder an die Belegschaft zu verteilen. Ein wesentlicher Vorteil dieses Systems besteht laut Veit darin, dass auch Mitarbeiter in Hintergrundbereichen, wie etwa in der Küche, an den Gratifikationen partizipieren können. Damit würde eine fairere Verteilung der Anerkennung innerhalb des Hotelbetriebs erreicht.

Kritik an der Praxis kommt hingegen von der Gewerkschaft vida. Tourismus-Chefin Eva Eberhart betont, dass Gäste ohne Druck entscheiden müssen können, ob sie Trinkgeld geben, und warnt davor, dass die Gäste ihren Unmut letztlich an den Mitarbeitern auslassen könnten. Zudem weist sie darauf hin, dass viele Gäste bereits während des Aufenthalts individuelle Trinkgelder an das Personal vergeben.

Auch Susanne Kraus-Winkler von der Bundessparte Tourismus der Wirtschaftskammer warnt vor einer Erzwingung von Trinkgeldern. Sie plädiert für absolute Transparenz und eine einfache Ablehnungsfunktion, um das Modell nicht zum Ärgernis für die Urlaubsgäste zu machen. Während digitale Trinkgeld-Vorschläge in der Gastronomie bereits verbreitet sind, gilt ein solches Modell in der Hotellerie bislang als unüblich.