Trotz Diversity-Debatte: Dünn und weiß bleibt Maßstab auf Laufstegen und Magazin-Covern

12.06.2026


Ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung aus Österreich hat die Bildsprache der globalen Modeindustrie der vergangenen rund 25 Jahre systematisch unter die Lupe genommen – mit ernüchterndem Ergebnis. Trotz einer sichtbar größeren Bandbreite an weiblichen Models auf Laufstegen und Magazin-Covern bleibt das dominierende Körperideal nahezu unverändert: schlank und weiß. Die vermeintliche Diversität entpuppt sich in der umfassenden Auswertung als Ausreißerphänomen, nicht als struktureller Wandel.

Für die im Fachjournal „PNAS“ veröffentlichte Studie analysierten der dänische Forscher Louis Boucherie und sein Team, darunter Katharina Ledebur vom Complexity Science Hub (CSH) Wien und Doktoratsstudentin Karolina Sliwa von der WU Wien, insgesamt 793.199 Aufnahmen aus den Jahren 2000 bis 2024. Erfasst wurden Bilder von Modeschauen, Werbekampagnen, Magazin-Titelseiten und redaktionellen Beiträgen aus allen Weltregionen. Unterstützt wurde die Auswertung durch künstliche Intelligenz zur Bildanalyse sowie durch Gesundheitsdaten aus Umfragen.

Die Forschenden sprechen von einer „kulturellen Evolution der Schönheitsstandards“, die überraschend wenig dynamisch verläuft. Zwar habe sich die Vielfalt der Typen – insbesondere bei Körpermaßen und -formen – seit 2000 messbar vergrößert, doch das zentrale Ideal bleibe konstant: Frauen, die im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung eher dünn sind und überwiegend als weiß klassifiziert werden. Ansprüche an Größe, Hüft- und Taillenumfang liegen demnach über verschiedene Segmente hinweg – vom Laufsteg bis zu den Medien – weitgehend auf einer Linie.

Die Ergebnisse stehen im Kontrast zu einer seit Jahren lauter werdenden Bewegung, die mehr Repräsentation unterschiedlicher Körpergrößen und -formen fordert. Während Marken und Magazine punktuell auf Diversität setzen, zeigt die quantitative Langzeitanalyse, dass diese Beispiele den Kern des Systems bisher kaum verschieben. Die visuelle Norm, an der sich Schönheitsvorstellungen global orientieren, bleibt trotz gesellschaftlicher Debatten erstaunlich resistent gegenüber kultureller Durchmischung.

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Wie ein verstorbener Sektionschef zum Politikum im U-Ausschuss wurde

08.10.2026


Ein umfangreicher Auswertungsbericht der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) zu digitalen Daten des verstorbenen Justiz-Spitzenbeamten Christian Pilnacek sorgt für neuen politischen und justizinternen Sprengstoff. Chatprotokolle, E-Mails und weitere Unterlagen zeichnen ein Bild tiefgreifender Konflikte innerhalb der Justiz – insbesondere zwischen der WKStA und Teilen der vorgesetzten Behörden. Parallel dazu bereitet ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss die Befragung von Schlüsselpersonen vor, um mögliche politische Einflussnahmen auf Ermittlungen rund um Pilnacek und dessen Tod zu beleuchten.

Aus der von der WKStA erstellten Expertise zu Pilnaceks Kommunikationsdaten geht hervor, wie der langjährige Leiter der für Strafrecht zuständigen Sektion im Justizministerium über Jahre hinweg gegenüber der WKStA Stellung bezog. Der Bericht zeigt, dass der damalige Wiener Oberstaatsanwaltschef Johann Fuchs im Juni 2019 in einer internen Nachricht erklärte, er sehe es als Aufgabe seiner Amtszeit, eine von der WKStA angeblich offengelegte „Verkommenheit“ im Berufsstand „mit allen Mitteln zu bekämpfen“. Er bezeichnete Pilnacek darin ausdrücklich als Mitstreiter. In dem Gutachten findet sich zudem Material, aus dem hervorgehen soll, wie die Korruptionsstaatsanwaltschaft aufgelöst und neu aufgesetzt werden könnte.

Die Auswertung des Laptops und mehrerer Speichermedien Pilnaceks, die in einem rund 440 Seiten starken Bericht zusammengefasst wurde, behandelt auch seine Kontakte in das Umfeld der ÖVP. Der frühere Sektionschef war von 2010 bis 2020 über alle wesentlichen Strafsachen der Republik informiert und konnte als weisungsbefugter Beamter Ermittlungsschritte mitsteuern oder Berichte anfordern. Laut dem Bericht kooperierte er in dieser Zeit eng mit ÖVP-nahen Personen und wirkte an der Verteidigung von Beschuldigten mit. Nach Bekanntwerden einer Audioaufnahme aus dem Sommer 2023, in der Pilnacek Interventionen von ÖVP-Seite beklagte, leitete die WKStA ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannte Täter ein; dieser Interventionsakt ist nun ebenfalls Gegenstand des U-Ausschusses.

Der Untersuchungsausschuss, der sich mit den Umständen von Pilnaceks Tod und dem Umgang der Behörden befasst, bekommt das WKStA-Dokument zeitlich passend zur nächsten Befragungsrunde vorgelegt. Zunächst soll ein IT-Experte der WKStA, der für das Auslesen von Datenträgern zuständig ist, Auskunft geben. In den darauffolgenden Tagen werden Exekutivbeamte befragt, darunter der Leiter des Bundeskriminalamts sowie zwei Polizeibeamte aus Niederösterreich, die unter anderem mit Pilnaceks Geisterfahrt Stunden vor dem Fund seiner Leiche in einem Donau-Seitenarm befasst waren. Politisch besonders im Fokus steht der Auftritt von Innenminister Gerhard Karner und dessen Kabinettschefin, nachdem eine vom Ressort in Auftrag gegebene Schulungsunterlage für geladene Auskunftspersonen parteiübergreifend – mit Ausnahme der ÖVP – auf Kritik gestoßen war.

Die Kombination aus internen Justizchats, detaillierter Datenauswertung und politischer Aufarbeitung im Parlament verschärft die Debatte über das Verhältnis zwischen Ministerien, Staatsanwaltschaften und Parteien. Während die WKStA ihre Auswertungsergebnisse in den U-Ausschuss einbringt, suchen Abgeordnete nach Antworten auf die Frage, ob und in welchem Ausmaß versucht wurde, auf Ermittlungen Einfluss zu nehmen – sowohl in prominenten Wirtschafts- und Korruptionsfällen als auch im Zusammenhang mit den Untersuchungen nach dem Tod eines der einflussreichsten Justizbeamten der vergangenen Jahre.