Halbe Milliarde für Pendlerkomfort: SBB erneuern zweite und dritte S-Bahn-Generation

08.10.2026


Die SBB modernisieren einen wesentlichen Teil der Zürcher S-Bahn-Flotte und investieren zusammen mit dem Zürcher Verkehrsverbund, mehreren Kantonen und dem Bund rund 500 Millionen Franken in die Erneuerung der Fahrzeuge der zweiten und dritten Generation. Ziel des Programms ist es, Komfort, Energieeffizienz und Betriebssicherheit zu erhöhen und die Einsatzdauer der Züge deutlich zu verlängern. Täglich nutzen über 700'000 Fahrgäste die Zürcher S-Bahn, deren Flotte damit schrittweise an aktuelle technische und betriebliche Anforderungen angepasst wird.

Im Fokus stehen 61 Doppelstock-Triebzüge (DTZ) der zweiten Generation von Siemens, die seit 2006 im Einsatz sind, und 69 Regio-Dosto von Stadler Rail, die ab 2012 als dritte Generation hinzukamen. Ergänzend werden auch 24 IR-Dosto des Fernverkehrs erneuert, die technisch zur gleichen Fahrzeugfamilie gehören wie die Regio-Dosto der Zürcher S-Bahn. Beide Flotten waren ursprünglich für eine Nutzungsdauer von 25 Jahren ausgelegt; mit der nun gestarteten Erneuerung erhöhen die SBB diese auf 32 Jahre. Die DTZ sollen Ende der 2030er-Jahre, die Regio-Dosto in den 2040er-Jahren durch neue Fahrzeuge ersetzt werden, während die S-Bahnen der ersten Generation in den 2030er-Jahren durch neue Züge von Siemens Mobility abgelöst werden sollen.

Die Modernisierung erfolgt primär im Innenraum und bei der Fahrzeugtechnik. Die Züge erhalten neue Bodenbeläge und Sitzpolster, eine LED-Beleuchtung sowie eine verbesserte Beschriftung zur besseren Orientierung der Reisenden. Ein wichtiger Baustein ist der Einbau mobilfunkdurchlässiger Scheiben, mit denen der Empfang für Mobilfunkkunden im Zug verbessert werden soll. Gleichzeitig investieren die SBB in Energieeffizienz und Sicherheit der Fahrzeuge. Die ersten modernisierten DTZ der zweiten Generation sind seit rund einem Jahr auf dem Netz unterwegs, seit Mitte September 2026 verkehrt zudem der erste erneuerte Regio-Dosto der dritten Generation im Zürcher S-Bahn-System. Die Arbeiten an den IR-Dosto-Prototypen sollen dazu führen, dass der erste modernisierte Zug ab Winter 2027 im Fernverkehr eingesetzt wird.

Das Erneuerungsprogramm verteilt sich finanziell auf knapp 230 Millionen Franken für die DTZ und rund 270 Millionen Franken für die Regio-Dosto-Züge. Die Umsetzung erfolgt schrittweise im Werk Olten, sodass der laufende Betrieb der Zürcher S-Bahn während der Modernisierung weitergeführt werden kann. Mit der Investition sichern die SBB und ihre öffentlichen Partner den verlängerten und weiterhin sicheren Einsatz eines Kernteils der Flotte in einer der am stärksten frequentierten S-Bahn-Regionen Europas und reagieren zugleich auf wachsende Anforderungen an Komfort und Konnektivität im Regionalverkehr.

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Bonvalot-Fall: Vogl verlangt vertrauensbildende Maßnahmen von der Polizei

08.10.2026


Die Festnahme des freien Journalisten Michael Bonvalot bei einer Versammlung in Steyr entwickelt sich in Österreich zu einem politischen Streitfall über das Verhältnis von Polizei, Demonstrationsrecht und Pressefreiheit. Bonvalot wollte nach eigenen Angaben am vergangenen Sonntag über einen „Aufmarsch der rechten Verschwörungsszene“ berichten, als er trotz gültigem Presseausweis von Einsatzkräften abgeführt wurde. Inzwischen ist ein Video des Vorfalls online, das die Debatte zusätzlich anheizt.

Steyrs Bürgermeister Markus Vogl (SPÖ) machte den Einsatz beim Sicherheitsgipfel mit der Polizei zum Thema und sprach von einem Vorgang, der „schwer zu verdauen“ sei. Nicht nur die Versammlungsfreiheit sei ein „hohes Gut“, betonte er, sondern ebenso die Pressefreiheit. Journalisten müssten bei solchen Einsätzen genauso geschützt werden wie Demonstrationsteilnehmer. Laut Vogl hatte Bonvalot aus rund 50 Metern Abstand berichten sollen und sich mit einem gültigen Presseausweis ausgewiesen.

Der Bürgermeister knüpfte seine Kritik an eine breitere Auseinandersetzung über die seit Jahren stattfindenden sonntäglichen Aufmärsche in Steyr. Diese sogenannten Spaziergänge, deren jüngste Ausgabe die 300. gewesen sein soll, hätten sich nach seinen Worten „bedauerlicherweise zu einer Anlaufstelle für demokratiefeindliche Gruppen“ entwickelt – mit prominenter Beteiligung von Szenefiguren wie Gottfried Küssel und Ken Jebsen. Während die Polizei bislang keine Gründe für ein Verbot dieser Versammlungen gesehen habe, entstehe nun der Eindruck, dass gegenüber einem Berichterstatter mit „zweierlei Maß“ gemessen werde. Vogl fordert von der Exekutive daher „vertrauensbildende Maßnahmen“; der Eindruck, polizeijuristische Einschätzungen gälten nicht für alle gleich, sei „untragbar“.

Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) stellte sich demonstrativ hinter die Einsatzkräfte. Er verteidigte das Vorgehen der Polizei am Donnerstag als „verhältnismäßig und korrekt“ und widersprach damit der Darstellung, es handle sich um einen unverhältnismäßigen Eingriff in die Arbeit der Medien. Details zu der Einsatzbewertung blieben zunächst knapp, doch die veröffentlichten Videoaufnahmen dürften sowohl von Kritikern als auch von Befürwortern der Polizei genau analysiert werden. Während Vogl betont, er wolle trotz der guten bisherigen Zusammenarbeit mit der Polizei „nicht einfach zur Tagesordnung übergehen“, signalisiert das Innenministerium Rückendeckung für die Einsatzlinie vor Ort – ein Spannungsfeld, das die Diskussion über die Grenzen und den Schutz journalistischer Arbeit bei Demonstrationen weiter befeuern dürfte.