Geowissenschaften im Umbruch: Digitale Transformation stärkt Extremwetter-Analysen

30.04.2026


Mit dem Klimawandel gerät der globale Wasserkreislauf zunehmend unter Druck – und mit ihm jene Regionen, die entweder mit anhaltender Trockenheit oder immer häufigeren Starkregenereignissen konfrontiert sind. Während trockene Gebiete tendenziell noch trockener werden, müssen sich ohnehin feuchte Regionen häufig auf mehr Niederschlag einstellen. Welche Folgen das für Wasserspeicher, Grundwasser und Infrastruktur hat, steht im Zentrum der Jahresversammlung der European Geosciences Union (EGU), die vom 3. bis 8. Mai im Austria Center Vienna tagt.

Moderne geowissenschaftliche Prognosetools spielen dabei eine Schlüsselrolle. Sie erfassen Veränderungen in Wasserspeichern und im Grundwasser und verknüpfen diese mit großskaligen Klimamustern. Auf dieser Basis lassen sich Trocken- und Dürreperioden in manchen Fällen Wochen bis Monate im Voraus abschätzen. Laut einer Aussendung des Austria Center Vienna können Entscheidungsträger in wasserlimitierten Regionen damit ihre wasserwirtschaftlichen Maßnahmen gezielter planen – von der Bewirtschaftung von Reservoirs bis zur Vorbereitung auf erhöhte Waldbrandgefahr.

Forschende sehen insbesondere bei mittelfristigen oder „saisonalen“ Prognosen spürbare Fortschritte. Während kurzfristige Wettervorhersagen vor allem auf dem aktuellen Zustand der Atmosphäre beruhen, stützen sich längerfristige Einschätzungen auf umfangreichere Klimamodelle, etwa zur Kopplung von Ozeanen und Atmosphäre. Die Vorhersagegüte ist hier nach Einschätzung von Experten wie dem Hydrologen Günter Blöschl zwar weiterhin deutlich geringer als bei Tages- oder Wochenprognosen, doch es werde intensiv an einer Verbesserung gearbeitet. Ereignisse wie großflächige Trockenheit, die derzeit auch Waldbrände in Süd- und Westösterreich begünstigt, überraschen die Fachwelt daher nicht – ihre genaue zeitliche und räumliche Entwicklung bleibt aber eine Herausforderung.

Zentral für den weiteren Fortschritt ist nach Ansicht von Forschern wie Christof Lorenz vom Karlsruher Institut für Technologie die digitale Transformation der Geowissenschaften. Offene Daten, nachvollziehbare Methoden und frei zugängliche Ergebnisse sollen es erleichtern, Modelle zu überprüfen, weiterzuentwickeln und in der Praxis anzuwenden. Der Wasserkreislauf reguliert nicht nur das Klima, sondern beeinflusst auch Ökosysteme, Landwirtschaft und Trinkwasserversorgung. Je früher sich Veränderungen durch verbesserte Analysetools abbilden lassen, desto eher können Behörden und Unternehmen auf Dürre, Starkniederschläge und Hochwasser mit angepassten Strategien reagieren.

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Wie ein verstorbener Sektionschef zum Politikum im U-Ausschuss wurde

08.10.2026


Ein umfangreicher Auswertungsbericht der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) zu digitalen Daten des verstorbenen Justiz-Spitzenbeamten Christian Pilnacek sorgt für neuen politischen und justizinternen Sprengstoff. Chatprotokolle, E-Mails und weitere Unterlagen zeichnen ein Bild tiefgreifender Konflikte innerhalb der Justiz – insbesondere zwischen der WKStA und Teilen der vorgesetzten Behörden. Parallel dazu bereitet ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss die Befragung von Schlüsselpersonen vor, um mögliche politische Einflussnahmen auf Ermittlungen rund um Pilnacek und dessen Tod zu beleuchten.

Aus der von der WKStA erstellten Expertise zu Pilnaceks Kommunikationsdaten geht hervor, wie der langjährige Leiter der für Strafrecht zuständigen Sektion im Justizministerium über Jahre hinweg gegenüber der WKStA Stellung bezog. Der Bericht zeigt, dass der damalige Wiener Oberstaatsanwaltschef Johann Fuchs im Juni 2019 in einer internen Nachricht erklärte, er sehe es als Aufgabe seiner Amtszeit, eine von der WKStA angeblich offengelegte „Verkommenheit“ im Berufsstand „mit allen Mitteln zu bekämpfen“. Er bezeichnete Pilnacek darin ausdrücklich als Mitstreiter. In dem Gutachten findet sich zudem Material, aus dem hervorgehen soll, wie die Korruptionsstaatsanwaltschaft aufgelöst und neu aufgesetzt werden könnte.

Die Auswertung des Laptops und mehrerer Speichermedien Pilnaceks, die in einem rund 440 Seiten starken Bericht zusammengefasst wurde, behandelt auch seine Kontakte in das Umfeld der ÖVP. Der frühere Sektionschef war von 2010 bis 2020 über alle wesentlichen Strafsachen der Republik informiert und konnte als weisungsbefugter Beamter Ermittlungsschritte mitsteuern oder Berichte anfordern. Laut dem Bericht kooperierte er in dieser Zeit eng mit ÖVP-nahen Personen und wirkte an der Verteidigung von Beschuldigten mit. Nach Bekanntwerden einer Audioaufnahme aus dem Sommer 2023, in der Pilnacek Interventionen von ÖVP-Seite beklagte, leitete die WKStA ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannte Täter ein; dieser Interventionsakt ist nun ebenfalls Gegenstand des U-Ausschusses.

Der Untersuchungsausschuss, der sich mit den Umständen von Pilnaceks Tod und dem Umgang der Behörden befasst, bekommt das WKStA-Dokument zeitlich passend zur nächsten Befragungsrunde vorgelegt. Zunächst soll ein IT-Experte der WKStA, der für das Auslesen von Datenträgern zuständig ist, Auskunft geben. In den darauffolgenden Tagen werden Exekutivbeamte befragt, darunter der Leiter des Bundeskriminalamts sowie zwei Polizeibeamte aus Niederösterreich, die unter anderem mit Pilnaceks Geisterfahrt Stunden vor dem Fund seiner Leiche in einem Donau-Seitenarm befasst waren. Politisch besonders im Fokus steht der Auftritt von Innenminister Gerhard Karner und dessen Kabinettschefin, nachdem eine vom Ressort in Auftrag gegebene Schulungsunterlage für geladene Auskunftspersonen parteiübergreifend – mit Ausnahme der ÖVP – auf Kritik gestoßen war.

Die Kombination aus internen Justizchats, detaillierter Datenauswertung und politischer Aufarbeitung im Parlament verschärft die Debatte über das Verhältnis zwischen Ministerien, Staatsanwaltschaften und Parteien. Während die WKStA ihre Auswertungsergebnisse in den U-Ausschuss einbringt, suchen Abgeordnete nach Antworten auf die Frage, ob und in welchem Ausmaß versucht wurde, auf Ermittlungen Einfluss zu nehmen – sowohl in prominenten Wirtschafts- und Korruptionsfällen als auch im Zusammenhang mit den Untersuchungen nach dem Tod eines der einflussreichsten Justizbeamten der vergangenen Jahre.